Die Teufelsburg

Onkel Willi erzählte gerne Geschichten, die nicht nur spannend waren, sondern zum Teil auch wahr. Eines Tages erzählte er von einer Teufelsburg, die im Park neben unserer Wiese stehen sollte. Diese Burg sollte eine unterirdische Verbindung zu dem Schloss im Ort haben. Die Schlossbesitzerin war Frau von Brockhusen, geborene von Hindenburg. Ein Kunstmaler hatte sich mit seiner Malkunst hier austoben dürfen. Er hatte an den Wänden Bilder vom Teufel und seiner Großmutter verewigt.

Wenn Kinder so etwas hören, wollen sie es auch gerne sehen. Also ließen wir unseren Onkel nun keine Ruhe mehr, wir wollten uns die Burg auch einmal ansehen!

An einem sonnigen Tag war es soweit. Onkel Willi nahm meinen Bruder und mich an die Hand und wir gingen zur Teufelsburg. Eine große Tür stand weit offen und wir konnten ungehindert hineingehen. Die Fresken waren nicht nur unheimlich, sondern auch angsteinflößend. Mir war als sahen mich die bösen Geister nicht nur an, sondern es würde an jeder Ecke noch einer stehen. Alleine würde ich hier nie wieder hergehen. Onkel Willi sagte auch noch: “Geht nie alleine in diese Burg, dann geht die Tür zu und ihr kommt hier nie wieder heraus!“

Nach zirka zwei Jahren kam meine Cousine, die ihren Schulabschluss gemacht hatte, zu uns, um bei meiner Mutter ihr Pflichtjahr zu machen. (Die Hitler-Regierung hatte dieses zur Pflicht gemacht.) Vera fühlte sich bei uns wohl und wir hatten viel Spaß miteinander. Eines Tages erzählte ich ihr von der Teufelsburg, die ich gesehen hatte. Vera war nun auch neugierig geworden und hätte sich die Burg auch gerne mal angesehen. Also beschlossen wir eines Tages dort hinzugehen.

Vera war begeistert was sie hier sah. Ich war mutiger geworden und wollte nun auch gerne den Tunnel zum Schloss finden. Wir haben beide gesucht, aber einen Eingang fanden wir nicht. Wahrscheinlich war er schon zusammengebrochen oder zugeschüttet worden.

Also machten wir uns wieder auf den Heimweg. Als wir an unserer Wiese ankamen, sahen wir unsere Kuh. Kühe sind nun mal von Natur aus neugierig, so auch unsere. Sie kam uns entgegen und sah uns mit ihren großen Augen an. Leute, die aus dem Park kommen und auf unserer Wiese gingen hatte sie wohl noch nie gesehen. Ich kroch durch den Drahtzaun, sah unsere Kuh an und sage zur Begrüßung laut „MUH“.

Das hätte ich besser nicht tun sollen, denn die Kuh bekam einen riesigen Schrecken und rannte quer über die Wiese zu einem Graben. Selbst vor diesem machte sie keinen Halt - und purzelte hinein!

Die Kuh lag nun in dem Graben und kam nicht wieder heraus, und mich hatte mein Mut, den ich eben noch in der Burg hatte, völlig verlassen. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht einmal nach Hause gehen mochte. Aber der Kuh musste schnell geholfen werden!

Zum Glück war die ältere Vera tapferer als ich, sie ging heim zu Mutter und beichtete das Missgeschick.

Und dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis unsere Kuh - mit Hilfe der herbeigerufenen Nachbarn - aus ihrer misslichen Lage befreit wurde...

 

 

 

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